Die X-quer-Karte wird verwendet, wenn pro Prüfzeitpunkt mehrere stetige Messwerte vorliegen oder große Datenmengen sinnvoll zu Untergruppen zusammengefasst werden können. Sie überwacht die Mittelwerte dieser Untergruppen und macht sichtbar, ob sich das durchschnittliche Prozessniveau über die Zeit verschiebt.
Die Daten können Sie hier herunterladen: xbar_Abfuellmenge.xlsx
In der Produktion von Tomatensoße werden alle 30 Minuten fünf Gläser geprüft. Die fünf Messwerte bilden jeweils eine Untergruppe; für jede Untergruppe wird der Mittelwert berechnet und in zeitlicher Reihenfolge in der Mittelwertkarte (x̄-Karte) dargestellt. Ziel ist zu prüfen, ob die durchschnittliche Abfüllmenge über die Zeit stabil bleibt oder ob sich die Prozesslage verschiebt.

Interpretation der Ergebnisse:
Es liegen keine Mittelwerte außerhalb der Eingriffsgrenzen vor und es sind keine auffälligen Muster erkennbar. Die Prozesslage verhält sich stabil; auch die Streuung innerhalb der Teilgruppen ist unauffällig.
Erklärungen zur Grafik:
- Die Punkte zeigen die Mittelwerte der einzelnen Teilgruppen in zeitlicher Reihenfolge.
- Die Mittellinie entspricht dem Mittelwert der Teilgruppenmittelwerte.
- Die Eingriffsgrenzen werden aus der Streuung und dem Mittelwert der Teilgruppen berechnet.
Vorarbeit
- Eine geeignete stetige Messgröße auswählen.
- Sinnvolle Teilgruppengröße festlegen (z. B. 5).
- Sicherstellen, dass alle Teilgruppen gleich groß sind und in zeitlicher Reihenfolge vorliegen.
Nutzung in AlphadiTab
- In der Measure-Phase oder Control-Phase das Tool X-quer-Karte auswählen.
- Daten eingeben, Teilgruppengröße festlegen.
- Diagramm mit „Neu erstellen“ generieren.
Interpretation
- Liegen Mittelwerte außerhalb der Eingriffsgrenzen?
- Sind nichtzufällige Muster erkennbar (Trends, Shifts)?
Teilgruppengröße
Die Teilgruppengröße beeinflusst die Berechnung der Eingriffsgrenzen. Je größer die Teilgruppe ist, desto kleiner ist die zufällige Streuung der Teilgruppenmittelwerte. Im Idealfall sind alle Teilgruppen gleich groß.
Historische Werte
Sind historische Referenzwerte bekannt, können diese als feste Grundlage verwendet werden. Mittellinie und Eingriffsgrenzen bleiben dann konstant.
Abschnitte
Abschnitte sind sinnvoll, wenn sich der Prozess bewusst verändert hat, z. B. nach einem Lieferantenwechsel oder einer Prozessanpassung. Je Abschnitt werden eigene Mittellinien und Eingriffsgrenzen berechnet.
Mit den Tests werden nichtzufällige Muster erkannt:
Drehmoment nach Werkzeugwechsel
Im Montageprozess werden pro Stunde fünf Schraubverbindungen gemessen und zu Teilgruppen zusammengefasst. Nach einem Werkzeugwechsel soll geprüft werden, ob sich das durchschnittliche Drehmoment verändert hat.

Die Daten können Sie hier herunterladen: xbar_Drehmoment.xlsx
Interpretation
Nach dem Werkzeugwechsel verschiebt sich das Niveau der Teilgruppenmittelwerte deutlich nach oben. Die Veränderung ist systematisch.
→ Niveauverschiebung nach Werkzeugwechsel – im Zusammenhang analysieren.
pH-Wert je Charge
Im Labor werden pro Charge drei pH-Messungen durchgeführt. Der Mittelwert je Charge wird mit der X-quer-Karte überwacht. Im Zeitverlauf soll beurteilt werden, ob sich die Prozesslage schrittweise verändert.

Die Daten können Sie hier herunterladen: Xbar_pHWert.xlsx
Interpretation
Ein ansteigender Trend über mehrere Teilgruppen ist erkennbar. Dies deutet auf eine systematische Veränderung hin – der Prozess ist nicht stabil.
→ Ansteigender Trend – Prozess instabil, untersuchen.
Engagement eines Key Accounts
Im Key Account Cockpit wird das Engagement eines Kunden anhand mehrerer Einzelbewertungen pro Zeitraum überwacht. Pro Woche werden fünf Engagement-Werte zu einer Teilgruppe zusammengefasst. Für die Bewertung werden feste Referenzwerte verwendet: Mittelwert 75 und Standardabweichung 2 (fachlich vom Team festgelegt).

Die Daten können Sie hier herunterladen: xbar_Vertrieb.xlsx
Interpretation
Zu Beginn schwanken die Teilgruppenmittelwerte unauffällig um den Referenzwert von 75. Im weiteren Verlauf ist ein abnehmender Trend erkennbar – die Werte entfernen sich zunehmend vom erwarteten Engagementniveau.
→ Abnehmender Trend unter Referenz 75 – Kundenengagement lässt nach, im KAM prüfen.
Kommissionierzeit je Schicht
Im Logistikbereich werden pro Schicht vier Kommissionieraufträge gemessen und als Teilgruppe ausgewertet. Ziel ist zu erkennen, ob sich die durchschnittliche Kommissionierzeit ungewöhnlich verändert.

Die Daten können Sie hier herunterladen: xbar_Kommisionierzeit.xlsx
Interpretation
Ein Teilgruppenmittelwert liegt deutlich außerhalb der Eingriffsgrenzen. Für diesen Zeitraum ist eine Systemstörung bekannt – die Auffälligkeit ist als Sonderursache erklärbar.
→ Ausreißer durch bekannte Systemstörung – Sonderursache.
Ausschussanteil nach Lieferantenwechsel
Im Einkauf wird der Ausschussanteil je Wareneingang in Teilgruppen aus mehreren Prüfergebnissen zusammengefasst. Während des Beobachtungszeitraums wurde von Lieferant A auf Lieferant B umgestellt. Der Ausschussanteil wird als stetiger Prozentwert je Prüfeinheit betrachtet.

Die Daten können Sie hier herunterladen: xbar_Ausschussanteil.xlsx
Interpretation
Nach dem Lieferantenwechsel ist eine Niveauänderung der Teilgruppenmittelwerte erkennbar. Zusätzlich zeigt sich ein alternierendes Muster mit abwechselnd höheren und niedrigeren Mittelwerten – dies kann auf zwei unterschiedlich arbeitende Werkzeuge beim Lieferanten hindeuten.
→ Niveauverschiebung + alternierendes Muster – im Zusammenhang mit dem Wechsel analysieren.
Prognoseabweichung
In der Produktionsplanung wird die Prognoseabweichung regelmäßig in Teilgruppen zusammengefasst, um die Qualität der Bedarfsplanung zu überwachen. Im Zeitverlauf soll geprüft werden, ob sich das Verhalten des Prozesses verändert.

Die Daten können Sie hier herunterladen: Xbar_Prognoseabweichung.xlsx
Interpretation
Über mehrere Teilgruppen hinweg liegen die Mittelwerte ungewöhnlich nah an der Mittellinie – die Streuung ist deutlich geringer als zuvor. Dies deutet auf ein verändertes Prozessverhalten hin (z. B. angepasste Prognoselogik oder geänderte Eingabedaten).
→ Ungewöhnlich geringe Streuung – verändertes Prozessverhalten prüfen.